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Das gute alte Handwerk

Das gute alte Handwerk

Ich bin überzeugt davon, dass ein gutes Handwerk – auch heute noch – ein starkes Fundament fürs Leben ist. In der Schweiz haben wir das grosse Glück, ein Bildungssystem zu haben, das jedem Menschen ermöglicht, seinen Traumberuf zu erlernen. Viele Betriebe bilden junge Menschen mit viel Engagement aus und legen damit den Grundstein für ihren Weg.

 

Was danach kommt, weiss niemand genau. Doch diese Lehrzeit prägt. Drei oder vier Jahre lang lernen, üben, dranbleiben – und am Ende eine Abschlussprüfung bestehen. Das hinterlässt Spuren. Es gibt Halt.

 

Ich weiss das aus eigener Erfahrung.

 

Meine Lehrzeit ist mir bis heute sehr präsent. Ich habe im Herrenfach angefangen, in einem Dorfsalon. Ein Damen- und Herrensalon – klar getrennt in zwei Welten. Im Herrensalon standen drei Stühle nebeneinander, davor die grosse Spiegelfront und die Waschbecken direkt am Platz. Hinter uns eine Bank für die wartenden Kunden, denn die Herren kamen einfach ohne Anmeldung.

 

Mein Chef hat mich persönlich ausgebildet, nach alter Schule. Ich durfte früh an Kunden arbeiten. Dabei habe ich nicht nur das Handwerk gelernt, sondern auch den Umgang mit Menschen. Beides gehört für mich bis heute untrennbar zusammen.

 

Danach machte ich meine Zusatzlehre in einem Haute-Coiffeur-Salon. Eine ganz andere Welt. Plötzlich war da diese Vielfalt, diese Kreativität, diese Energie. Sieben Coiffeusen, drei Lehrtöchter – und ich mittendrin. Ich war anders, ein bisschen der Aussenseiter. Und doch wurde ich gesehen und geschätzt.

 

Ich war schon damals sehr natürlich unterwegs – ausser bei den Haarfarben, da habe ich wirklich alles ausprobiert.

 

Dieser Salon hatte etwas Magisches für mich. Jedes Mal, wenn ich eintrat, war ich in einer anderen Welt. Ich durfte nach der Arbeit nach Bern gehen und helfen, Modelle für Haarshows und Magazine vorzubereiten. Das war für mich surreal – und unglaublich spannend. Ich habe viel gesehen, viel gelernt und verstanden, wie diese Welt funktioniert. Dafür bin ich bis heute dankbar.

 

Für die Abschlussprüfung musste ich an Modellen üben – das war neu für mich. Im Herrensalon hatte mein Chef die Modelle ausgewählt, und ich schnitt ihnen an der Prüfung zum ersten Mal die Haare. Das war intensiv, herausfordernd – und am Ende erfolgreich.

 

Und ja, ich sage es noch heute mit Stolz:


Ich bin eidgenössisch diplomierte Herren- und Damencoiffeuse.


Das ist mein Handwerk. Mein Fundament.

 

Ich finde, jeder Mensch darf stolz darauf sein, ein Handwerk gelernt zu haben.

 

Vier meiner Kinder sind diesen Weg ebenfalls gegangen und haben ein Handwerk gelernt und abgeschlossen. Der Jüngste ist mitten in seiner Lehre und lernt seinen Traumberuf. Der zweitjüngste geht seinen Weg im Gymnasium und baut sich dort sein eigenes Fundament auf.

 

Ich selbst habe meinen Beruf irgendwann verlassen. Es wurde mir zu viel Chemie, und den Weg zur natürlichen Coiffeuse habe ich damals noch nicht gesehen. Also bin ich einen anderen Weg gegangen.

 

Als mein jüngstes Kind in die Schule kam, spürte ich: Jetzt ist die Zeit, zurückzukehren.

 

Ich habe mich beworben – oft. Und ich habe Absagen erhalten.

 

Mein Mann sagte zu mir: „Dann mach deinen eigenen Salon. Wir haben den Platz.“

 

So entstand mein Haarsalon „Der Mann“. Gleichzeitig absolvierte ich bei meinem Mann die Ausbildung im Intuitives Trance Healing (Spirit Balance, Hampi van de Velde). Dieses Wissen wurde zu einem weiteren Fundament – für mich persönlich und für meine Arbeit.

 

Aus „Der Mann“ wurde später „Die Frau“. Und daraus entstand schliesslich die-naturcoiffeuse.ch.

 

Heute verbinde ich mein Handwerk mit Energiearbeit. Genau darin liegt für mich die Tiefe und die Schönheit meines Berufs. Ich arbeite achtsam, behutsam und mit viel Liebe.

 

Für mich ist jedes Haar einzigartig. Es zeigt die innere Schönheit eines Menschen im Aussen. Und jede Begegnung ist mehr als nur ein Haarschnitt – sie ist ein Moment des Wahrnehmens.

 

Ich staune immer wieder, wie sehr uns unsere Haare begleiten.

 

Und ich erkenne jeden Tag, wie wichtig mein Fundament ist. Ohne diese Lehrjahre, ohne dieses Handwerk – wäre mein Weg nicht derselbe gewesen.

 

Deshalb bin ich dankbar, diesen Weg gegangen zu sein.

 

Und ich wünsche mir, dass viele junge Menschen den Mut haben, ein Handwerk von Grund auf zu lernen – und daraus ihren ganz eigenen Weg entstehen zu lassen.

 

In Dankbarkeit


Silvia Jenni – NaturHaarKraft